Freiwillige Feuerwehr Lüdersfeld

Alarmübung G3-C Gefahrgutunfall C-Stoffe

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Am 20. November 2017 wurden um 18:08 Uhr die Feuerwehren der Samtgemeinde Lindhorst und die Umweltschutzeinheit Landkreis Schaumburg, das Team Presse der Kreisfeuerwehr sowie der DRK Einsatzzug Schaumburg zu einem Gefahrgutunfall in das Hallenbad Solabali nach Lindhorst alarmiert.

Infolge eines Technischen Defekts an der Chloranlage des Bades trat in einem Technikraum Chlorgas aus. Ein Mitarbeiter wollte den Alarm überprüfen, wurde aber beim Betreten des Raumes sofort bewusstlos durch die massiven Chlorgasdämpfe.
Zwei weitere Mitarbeiter wollten unterdessen im Filterraum die Alarmanzeige ablesen, stürzten in Eile über Kanister und fielen dabei eine Treppe herunter. Die Kanister mit Natriumhypochloridlösung stürzten zu Boden und liefen aus. Besonders gefährlich: In diesem Bereich stand ein Kanister mit einem Reinigungsmittel auf Salzsäurebasis. Bei Kontakt der beiden Stoffe wäre eine massive Chlorgasentwicklung die Folge.
Die Reinigungsfrau wollte die abendliche Reinigung vorbereiten. Als der Alarm losging, lies sie in Panik alles fallen. Dabei vermischten sich die verschiedenen Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Nach ihrer Flucht wurde ihr bewusst, was geschehen war. Panisch wartete sie auf Hilfe in der Sorge, eine chemische Bombe verursacht zu haben.

Was zu diesem Zeitpunkt die rund 100 Einsatzkräfte nicht wussten. Es handelte sich bei dieser Alarmierung um eine Alarmübung, welche bis zu Letzt geheim gehalten wurde. Selbst die Übungsdarsteller hatten erst wenige Stunden vorher die genaue Örtlichkeit erfahren. Ausgearbeitet wurde die Übung vom Leiter der Umweltschutzeinheit und stellv. Gemeindebrandmeister Benjamin Hein und dem ehemaligen Teileinheitsführer Steffen Titze.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehren der Samtgemeinde Lindhorst erkundeten die Lage an der Einsatzstelle und sicherten die Einsatzstelle weiträumig ab. Außerdem wurde sie umfangreich ausgeleuchtet. Mehrere Atemschutztrupps gingen unter Schutzkleidung Form 1 zur Menschenrettung vor. Hierbei musste eine Crash-Rettung erfolgen.
Außerdem wurden 2 C- und ein B-Rohr sowie ein Wasserwerfer vorgenommen, um die Ausbreitung des Chlorgases mit einem Wasserschleier zu verhindern. Diese Maßnahmen mussten Stückweise erfolgen, da in der Anfangsphase nicht ausreichend Löschwasser zur Verfügung stand. Im Rahmen der Übung waren die beiden nächst gelegensten Hydrant zugeparkt wurden, so dass sie nicht nutzbar waren. Schlauchleitungen in die Nachbarstraßen mussten gelegt werden, um den Wasserbedarf sicherzustellen.
Im erst kürzlich ausgelieferten Einsatzleitwagen wurde der Einsatz koordiniert und Informationen zu den Gefahrstoffen ermittelt. Der DRK Einsatzzug versorgte die Verletzten und betreute die unverletzten Personen.

Die Kräfte der Umweltschutzeinheit ergänzten die Maßnahmen der Ortsfeuerwehren. Die Absicherung zum Gefahrenbereich wurde erweitert und ein Dekon-Platz mit dem Gerätewagen Dekontamination eingerichtet.
Aufgrund der Ausbreitung von Chlorgas und fiktiven Hinweisen von Anwohnern, welche sich über eine Geruchsbelästigung klagten, wurden zwei Messtrupps in die benachbarte Wohnsiedlung entsandt. Die Koordinierung des Messeinsatzes erfolgte im Messleitwagen. Weitere Messungen erfolgten direkt am Schadensobjekt.
Durch das Team Presse wurde mittels der Warnapp BIWAPP eine Bevölkerungswarnung veranlasst. Während im Ernstfall ein Hinweis auf die Schadstoffwolke gäbe, wurde mit der Übungswarnung die Bevölkerung informiert, dass es sich lediglich um eine Übung handelt.
3 CSA-Trupps gingen unterdessen zur Bergung der Kanister und zum abschiebern der Leckage an der Chloranlage vor.
Nach rund 2,5 Stunden im strömenden Regen wurde die Übung beendet. Die Übung zeigte viele Lehrreiche Aspekte für Einsatz- und Führungskräfte welche in den folgenden Wochen ausgewertet werden.

Besonderer Dank gilt allen Organisatoren, Helfern und Einsatzkräften, welche diese Großübung ermöglichten.

Von der Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte überzeugten sich auch der Bürgermeister der Samtgemeinde Lindhorst Herr Günther, der stellv. Brandabschnittsleiter Nord Marc-Henning Kommerein und der Samtgemeindebrandmeister Ralf Stöber.

Im Einsatz:

Freiwillige Feuerwehr Beckedorf LF 8/6
Freiwillige Feuerwehr Heuerßen LF 10/6, MTF
Freiwillige Feuerwehr Lindhorst ELW 1, HLF 20, TLF 20/25, MZF
Freiwillige Feuerwehr Lüdersfeld LF 8/6, MTF
Freiwillige Feuerwehr Vornhagen TSF
Team Presse Kreisfeuerwehr
DRK Einsatzzug RTW, KTW

Umweltschutzeinheit:

Stellv. Leiter Umweltschutzeinheit
Messleitkomponente: MLW
ABC-Zug: ABC-Erkunder Vehlen, CBRN-Erkunder und MTF FF Möllenbeck, MTF FF Rusbend, GW/Dekon
GW/G-Zug: ELW 1, 2xMTF, TLF 16/24-Tr, GW/G 2
GW/AS-Gruppe: GW/AS

Bericht: Steffen Titze, Bilder Umweltschutzeinheit


 

Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 27. Dezember 2017 um 23:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Einsätze 2017 abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen.

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